Die traditionelle europäische Naturheilkunde (TEN) ist ein ganzheitliches Medizinalsystem wie auch die chinesische TCM oder das indische Ayurveda. Genau wie diese Systeme berücksichtigt sie bei der Behandlung den Körper, den Geist und die Seele und deren Zusammenhänge. 

Die TEN ist zudem eine Konstitution-Medizin. Das heisst, sie befasst sich nicht nur mit den Symptomen, sondern mit der Gesamtsituation des Organismus, in welchem sich die Symptome bemerkbar machen. Für mich sind auftretende Krankheiten keine temporären Einzelereignisse, sondern Prozesse, zwischen denen sozusagen ein roter Faden besteht. Daher ist eine ausführliche Anamnese so wichtig.

Jedes Mal, wenn mir eine Klientin/ein Klient seine Symptome schildert und ich mich mit Krankheitsbildern befasse, frage ich mich: "was steckt dahinter"? Die Hintergründe und Muster eines Krankheitsgeschehens zu durchschauen, ist eines der Ziele der Konstitutionsdiagnostik und wiederum die Basis für eine erfolgreiche Therapie. So können sowohl chronische Krankheiten gelindert, als auch die Heilungs- und Abwehrprozesse akuter Krankheiten optimiert werden.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die Krankheitsprophylaxe durch Optimierung und Stabilisierung der in der Konstitutionsdiagnostik erkannten Reaktionsmuster. Mit einer Linderung der aktuellen Beschwerden geht dann meistens eine Verbesserung des gesamten Gesundheits-Zustandes einher.

Auch wenn die Schulmedizin heute das Gesundheitswesen dominiert, hat die Naturheilkunde ihre Wichtigkeit behalten. Beide Systeme haben ihre Berechtigung und eine gute Zusammenarbeit wird in Zukunft immer wichtiger werden. Die sanften Methoden der TEN eignen sich auch gut als Begleitung einer schulmedizinischen Behandlung.

Die europäische Heiltradition hat ganz verschiedene Wurzeln. Sie reichen zurück ins alte Griechenland, zu den keltischen Druiden und zu den Bibliotheken und Kräutergärten der Klöster, aber auch zu den Arabern und sogar zum indischen Ayurveda. Für die Denkweise der TEN sind die Naturphilosophie der Antike und ihre Vorläufer aber das tragende Fundament. Sie basiert auf der Humoral- oder Vier-Säfte-Lehre, die unter anderem von Hippokrates beschrieben wurde. Ergänzt mit modernem Wissen ist so ein ausgeklügeltes Medizinalsystem entstanden, welches den Menschen als ganzheitliches Wesen anerkennt und gleichzeitig den hohen Anforderungen eines modernen Zeitalters gerecht wird.

Es geht keinesfalls darum, Altes zu glorifizieren und Neues abzulehnen, sondern darum, eine ganzheitliche und zeitgerechte Naturheilkunde zu praktizieren, welcher dem Menschen als komplexes Wesen gerecht wird. Es geht darum, im Einklang mit den Naturgesetzen zu arbeiten, welche uns alle beeinflussen und von neuem Wissen zu profitieren, gleichzeitig aber Altbewährtes aus dem jahrtausendealten Schatz der Erfahrungsmedizin nicht zu vergessen.

Die TEN sieht Mensch und Umwelt, Mensch und Natur als ganzheitliches Gefüge und geht davon aus, dass die Natur und ihre stofflichen Elemente auch im menschlichen Organismus wirken und sein Leben in Gesundheit und Krankheit beeinflussen. Die vier Grundelemente Luft, Feuer, Erde und Wasser werden als Wirkprinzipien verstanden, deren Balance wichtig ist für unsere Gesundheit. So sind die Modelle der Temperamenten- und der Konstitutionenlehre entstanden. 

Bernhard Aschner definiert die Konstitution wie folgt: "Konstitution ist der aus den Erbanlagen hervorgegangene, aber durch Umwelteinflüsse veränderbare Zustand eines Individuums und seine Reaktionen auf äussere und innere Einflüsse".

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