Seit ca. zweieinhalb Jahrtausenden besitzt Europa ein eigenständiges Medizinalsystem, welches jedoch im Vergleich zur asiatischen TCM bis vor Kurzem nur stark zerstückelt überlebte. Die Trennung in „Schulmedizin“ und „Naturheilkunde“ ist relativ neu, erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts führten die Thesen des Arztes Rudolf Virchow zu dieser Aufspaltung.

Auch wenn die Schulmedizin heute das Gesundheitswesen dominiert, hat die Naturheilkunde ihre Wichtigkeit behalten. Beide Systeme haben ihre Berechtigung und eine gute Zusammenarbeit wird in Zukunft immer wichtiger werden.

Seit einiger Zeit gibt es erfolgreiche Bemühungen, die Einzelteile der europäischen Heiltradition wieder als Ganzes zusammenzufügen und unsere europäische Naturheilkunde gelangt unter dem modernen Begriff „Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN“ zu neuem Ansehen.

Die europäische Heiltradition hat ganz verschiedene Wurzeln. Sie reichen zurück ins alte Griechenland, zu den keltischen Druiden und zu den Bibliotheken und Kräutergärten der Klöster, aber auch zu den Arabern und sogar zum indischen Ayurveda. Für die Denkweise der TEN sind die Naturphilosophie der Antike und ihre Vorläufer aber das tragende Fundament. 

Die TEN sieht Mensch und Umwelt, Mensch und Natur als ganzheitliches Gefüge und geht davon aus, dass die Natur und ihre stofflichen Elemente auch im menschlichen Organismus wirken und sein Leben in Gesundheit und Krankheit beeinflussen. Die vier Grundelemente Luft, Feuer, Erde und Wasser werden als Wirkprinzipien verstanden, deren Balance wichtig ist für unsere Gesundheit.

Alle traditionellen Medizinalsysteme wurzeln zudem in der Annahme, dass jedem Organismus die Fähigkeit zur Selbstheilung innewohnt. Fälschlicherweise wird heute unter Naturheilkunde oft die Anwendung vermeintlich natürlicher Mittel verstanden. Dies kann aber bestenfalls als Anwendung von Naturheilverfahren bezeichnet werden.

Echte Naturheilkunde erfordert eine ganz andere, ganzheitliche und konstitutionelle Denkweise. Sie bekämpft nicht in erster Linie Symptome, sondern versucht, Krankheiten zu beseitigen oder ihnen vorzubeugen, indem sie die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt.

Die TEN wirkt ganzheitlich und präventiv. Sie strebt ein bewusstes Einfügen des Menschen in die Rhythmen der Natur, einen geordneten Wechsel von Aktivität und Ruhe und eine Berücksichtigung aller Ebenen des menschlichen Daseins an. Ziel der naturheilkundlichen Behandlung ist es, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen.

Jede Krankheit ist bei jedem Menschen ein individueller Prozess, der einer individuellen Therapie bedarf. Eine bewusste Gestaltung der Beziehung zwischen NaturheilpraktikerIn und PatientIn, sowie der Einbezug der psychischen, sozialen, ökologischen und spirituellen (sinnstiftenden) Aspekte sind für die Traditionelle europäische Naturheilkunde wesentlich.

Dadurch können auch hartnäckige akute und chronische Krankheiten überwunden werden.

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeiten dieser traditionellen und ganzheitlichen Medizin ergänzend oder je nach Beschwerden auch als Alternative zur Schulmedizin.